Die Ausstellung Tempesta ist eine Meditation über zeitgenössische Skulptur als komplexe und wirkmächtige Praxis, der im gegenwärtigen künstlerischen Kontext eine besondere Rolle zukommt. Sie erweist sich als Medium mit ausgesprochen vielfältigen Verbindungen von Form, Bild, Ton, Raum und Körper, die ein zugleich unvermittelt sinnliches als auch intellektuell stimulierendes Erlebnis ermöglichen. Kunst wird dadurch zu einem genuinen Erfahrungsort.

Tempesta vereint Werke bedeutender zeitgenössischer Kunstschaffender wie Julius von Bismarck, Josh Kline, Jos Näpflin, Vittorio Santoro, Tenant of Culture, Andreas Waldmeier und Annie Wan Lai-kuen. Weder rein kontemplativ noch direkt narrativ, sind die formal präzisen Arbeiten engagierte Setzungen, die eine aktive Auseinandersetzung mit der Gegenwart ermöglichen; sie existieren selbs tbewusst und wegweisend in einem Kontext, der von multiplen gesellschaftlichen Krisen, existenziellen Bedrohungen und Herausforderungen geprägt ist. Allen Werken von Tempesta ist eigen, dass sie der Welt gegenüber durchlässig sind und individuell starke künstlerische Formsprachen entwickeln. Dies verleiht ihnen die seltene Fähigkeit, einen Ort zu definieren, der in Äquidistanz zwischen Individuum und Gemeinschaft zu liegen kommt.

Tempesta vereint zudem künstlerische Positionen aus unterschiedlichen kul turellen Kontexten und spannt dadurch ein ausgedehntes Netz von Erzählungen auf. Zusammengenommen ergibt die Ausstellung eine Konstellation von persön lichen Erfahrungen, geschichtlichen Perioden und Geografien. Tempesta ist deshalb auch ein Projekt, das Verbindungen, Echos und Verwerfungen einer glo balen Realität in Umrissen sichtbar werden lässt.

Der Ausstellungsparcours orientiert sich am übergreifenden Bild eines Über gangsritus, dem sich die Besuchenden mit dem Eintritt in die Räume widmen können. Sukzessive dem Rundgang im Gegenuhrzeigersinn folgend eröffnen sich von Raum zu Raum je eigenständige Szenarien, wobei manche der Künstler:innen einen, andere mehrere Räume bespielen. Jeder Raum ist als eigener Bereich mit einer eigenen Logik konzipiert. Verbunden sind sie nur indirekt, und zwar durch einen allen Werken eingeschriebenen gleichsam rituellen Charakter.