Die Galerie Karsten Greve freut sich, eine Ausstellung zu präsentieren, die den Keramiken von Lucio Fontana (1899–1968) gewidmet ist. Die Präsentation vereint eine Auswahl von Werken aus den 1930er- bis 1960er-Jahren und beleuchtet einen wesentlichen, jedoch oft weniger bekannten Aspekt seines Schaffens: seine Arbeit mit Terrakotta – ein grundlegendes Medium, das sich durch seine gesamte Karriere zieht und seine spatialistischen Forschungen zunehmend nährt. Fontanas Faszination für Keramik wurzelt in seiner persönlichen Geschichte: Er wuchs in der Werkstatt seines Vaters auf, eines Bildhauers für Grabdenkmäler, und kam so schon früh mit Ton in Berührung.
Die Ausstellung beginnt mit Torso italico (1938), einem monumentalen Werk, das von antiker Bildhauerei und dem imperialen Rom inspiriert ist. Während es sich auf traditionelle Konventionen bezieht, zerlegt er diese zugleich radikal. Dieser fragmentierte, armlos dargestellte Körper erscheint zugleich massiv und verletzlich. Klassische Monumentalität wird in eine instabile Form überführt. In einem einzigen Stück modelliert, zeugt er von großer technischer Meisterschaft, wobei die Bedingungen des Brennens maßgeblich zur Intensität des Werks beitragen. Im Kontext des späten Italiens der 1930er-Jahre resoniert die Figur mit den historischen Vorstellungen ihrer Zeit und bewahrt dabei eine ambivalente Dimension – eine stille Kritik an autokratischen Ideologien.
Parallel dazu erkundet Fontana eine ganz andere, leichtere Ausdrucksweise. Seine Aufenthalte in Albisola, wo er mit dem Dichter und Keramiker Tullio Mazzotti zusammenarbeitete, führten zu einer reichen und erfinderischen Produktion an der Schnittstelle von Skulptur und Kunsthandwerk. Exotische Tiere, Früchte und Muscheln bilden ein poetisches Universum, geprägt von leuchtenden Farben und organischen Formen. Einige Werke wirken fast lebendig, wie das verspielte Coccodrillo (1936–37), Oberflächen wölben und entfalten sich, Farben pulsieren.
Ab den 1940er-Jahren verändert sich der Ton. Die Erfahrung des Krieges prägt Fontanas Sensibilität tiefgreifend, und seine Werke beginnen, die politischen Umbrüche ihrer Zeit zu reflektieren. Kämpferische Figuren und Szenen des Gefechts treten hervor. Anstatt Gewalt direkt darzustellen, verwandelt Fontana diese Konfrontationen häufig in choreografierte Kompositionen, in denen Körper in einer fast theatralischen Bewegung ineinander greifen. In Battaglia (1947) scheinen die Figuren miteinander zu verschmelzen.
Themen wie Kreuzigung und Grablegung bieten Fontana ein Feld intensiver gestischer Ausdruckskraft zwischen Tradition und Experiment. Mit großer Energie geformt, strecken und verdrehen sich die Christusfiguren unter dem Druck der künstlerischen Geste. Das Material scheint zu vibrieren, als würde das Leiden der Passion und eine spirituelle Energie direkt in den Ton eingeschrieben.
Die Ausstellung zeigt zudem Fontanas allmähliche Entwicklung hin zu einer radikaleren Auffassung von Oberfläche – als Grenze, die überschritten werden muss – und von Raum als einer Form, die es zu enthüllen gilt. In seinen Concetti spaziali durchbrechen kleine Perforationen die Materialoberfläche. Diese einfachen, aber entscheidenden Öffnungen transformieren die Skulptur: Die Oberfläche ist nicht länger Begrenzung, sondern wird zum Durchgang in den Raum. Dieses Prinzip steht im Zentrum der Forschungen, die Fontana im Rahmen der spatialistischen Bewegung entwickelte, deren Grundlagen er im Manifiesto blanco von 1946 formulierte: „Wir wollen, dass das Gemälde seinen Rahmen verlässt und die Skulptur ihre Vitrine.“
Fasziniert vom wissenschaftlichen Fortschritt und den aufkommenden Vorstellungen kosmischer Erkundung, entwickelte Fontana eine Vision, in der Skulptur mit einem erweiterten Raum in Resonanz tritt. In den späten 1950er-Jahren wendet er sich mit seiner Serie Natura großen Terrakotten zu, deren eingeschnittene oder ausgehöhlte Formen direkt auf zeitgenössische Entwicklungen reagieren und von den ersten Bildern von Mondkratern inspiriert sind. Diese Werke zeigen ein feines Gespür für ihre Zeit: Fontana bildet das Universum nicht ab, sondern erfasst dessen Einfluss auf unser Verständnis von Raum und Form.
















