Mit tree of life teilt Noushin Redjaian einen neuen phantastischen Moment ihres Werkes mit uns; eine für uns dargebotene Landschaft aus Teppichen, Kristallen, Formen und Figuren, in der sich Mythen, Psyche und Soma, Mneme und Memoria als Symbole für kulturelle und ökosystemische Verantwortung zu einem fein verwobenen Netz aus Wahrnehmung und Betrachtung verknüpfen.
Entrée:
Gleich zu Beginn trifft man auf Teppichpaare — in Form von Schuhen am Boden arrangiert; darüber schwebend eine Büste und darin eingebettet zwei Eier, alles umschlossen von weichen Linien, die uns Lebenszyklen, Knospen und Blüten zeigen.
Rechts an der Wand finden sich der Zweidimensionalität entwachsene Orthogone aus dem Zyklus Form & Soul, abstrakte Formen, Wachstumsprozesse, Verbindungen mit dem Ziel, eingeschriebene Prägungen sichtbar zu machen. Unzählige Kristalle auf den Werken reflektieren und verstärken die Erinnerungen von eigentlich vergänglichen Augenblicken, die für die Ewigkeit konserviert werden, chemisch gebunden ans Hier und Jetzt.
Salon:
Auf Augenhöhe erzählen uns die rechteckigen Werke von Balance durch Linien als Schlangen und Drachen.
Daneben ruht ein kindliches Gesicht. Jedes der überzeichneten und abstrakten Antlitze versucht sichtbar zu machen, wie wir mit unseren unbewussten Anteilen umgehen, welche Teile unseres Selbst wir schützen und welche wir übersehen. Mit dieser Erkenntnis kann vielleicht ein Ort entstehen, in welchem Zuneigung, Beobachtung, Neugier und Abgrenzung zu einer greifbaren Erfahrung werden.
Arboretum:
Der zentrale Raum wird von einem abstrahierten Baum eingenommen, dessen Krone bis zur Decke reicht. Die Darstellung verbindet die Mythologien des abendländischen Lebensbaums, Traditionen der Kabbala und universelle Motive des Tree of life.
Als lebendiger Baum, der die Sefirot manifestiert, empfängt er nicht durch Sprache, sondern durch Atem und Resonanz. Unter dem Baum ruht eine liegende Figur, Mneme, die Herz, Darm und Adern offenbart und in ihren Händen eine Schale mit Wasser hält. Sie verweist auf das als Wandtext angebrachte Gedicht Tree of life und symbolisiert Erinnerung, innere Fürsorge sowie die Verbindung von Körper und Geist über Generationen hinweg. Umgeben ist die Figur von Objekten in Form von Händen und Tropfen, deren Bedeutung zwischen Geben und Nehmen sowie Beobachten und Teilen schwingt.
Hinter Sefirot finden zwei Hände mit einem schwebenden Herz aus einem über einhundert Jahre alten persischen Ghom-Teppich, zueinander.
Die Schale, das Wasser, die Tropfen und die Hände verweisen auf Tikkun, die Heilung durch Erinnerung und Weitergabe. Der Baum evoziert mythologische Parallelen – von Yggdrasil, der Weltenesche, über den Baum Evas bis zu mesopotamischen Lebensbäumen – als Träger von Geheimnissen, Orten der Verbindung zwischen Welten, Intimität und Wissen. Über und unter dem Baum entfaltet sich ein Dialog zwischen Körper, Natur und Mythos, der nicht erobert, sondern gepflegt wird.
Die Teppiche als Medium verweisen auf eine jahrtausendealte Kulturgeschichte und indo- persische Kulturtraditionen, wie unter anderem das Miribota (Paisley-Muster) oder Schutzsymbole wie das salzige Auge und auch florale Motive als Zeichen der Unendlichkeit des Lebens. Historische Ikonografie, inspiriert von Höhlenmalereien wie sie in der Cueva de las Manos zu finden sind; Kristallabdrücke auf Teppichen, als Teil der nonverbalen Kommunikation. Die Kristallisation der Werke versiegelt die flüchtigen Momente menschlicher Erfahrungen, ähnlich wie die Keilschrift schon vor 4000 Jahren vergängliche Gedanken auf mineralischen Tafeln verewigte.









![Koo Jeong A, [Seven stars], 2010, ausstellungsansicht Land of ouss [Kangse], Luma Arles, 2025–2026. Mit freundlicher genehmigung des Kunsthauses Bregenz. Foto von Victor & Simon / Grégoire d’Ablon © Koo Jeong A](http://media.meer.com/attachments/95fdb2d6e9a00f4c49605bec991f96dcff0e3de6/store/fill/330/330/0611861389971035e952a3fc1003df5a97dace5143428be6171e9e8004a6/Koo-Jeong-A-Seven-stars-2010-ausstellungsansicht-Land-of-ouss-Kangse-Luma-Arles-2025-2026-Mit.jpg)


